Kult: Ein Ledercover für den Rollenspielklassiker im A4 Format.

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Kult: Ein Ledercover für den Rollenspielklassiker im A4 Format.

Sooo, die RPC 2016 klingt noch ein wenig nach! Es war ein wirklich fantastisches Event mit vielen neuen Ideen, Anregungen und Begegnungen. 10 Jahre Roleplay Convention sind Kult! Auch das Lederlabor war mit dabei und konnte einige Neuheiten dort präsentieren.

Heute geht es gleich mit einer dieser Neuheiten weiter: Ein handgefertigter Einband aus hochwertigem Rindsleder im A4 Format für Kult, das Rollenspiel. Ein Klassiker. Aber zuerst noch einige Hinweise zum Handwerk und zur Herstellung des Einbandes.

Handwerk

Wieder verlässt ein tolles A4 Cover aus 1.8 – 2 mm Blankleder (Rind) das Lederlabor. Die Grundfarbe ist Schwarz. Auf der Vorderseite wurde das Motiv von Kult: Divinity Lost punziert und mit Acrylfarbe (Gold und Weiß) coloriert.

Der Buchrücken ist hier anders gestaltet als bei den bisherigen Covern im Lederlabor. Während bei den bisherigen Buchcovern eine Art Schlangenmuster für den Rahmen verwendet wurde (s. z.B. das Phex-Cover), kommt hier für den Buchrücken als Punziereisen ein „Shader“ (engl. Schattierer) zum Einsatz. Dieses Eisen macht einen „rauen“ Abdruck auf das Leder. Durch Aneinanderreihung und Überschneidung dieser Punzierungen ergibt sich am Ende eine ungleichmäßige Oberfläche, die sich wirklich toll anfühlt und gut aussieht.

Die Innenseite ist mit dunkelrotem Pannesamt bezogen. Das Leder wurde nach dem Trocknen mit Carnauba Creme abgerieben und die Kanten mit schwarzem Edge Kote gefinisht. Um einen guten Kontrast zu haben, wurde zum Vernähen roter Faden verwendet.

Kult, das Rollenspiel

Wer kennt es noch? Kult ist ein Rollenspielklassiker. Die 1. Edition wurde im Jahr 1991 veröffentlicht. 1992 kam es dann durch den Truant Verlag auch auf den deutschen Markt und wurde später durch Ulisses Spiele als limitierte Wiederauflage verkauft.

Einige mehr oder weniger erfolgreiche Erweiterungen begleiteten das Spiel und es bildete sich eine eingefleischte Fangemeinde. Vermutlich ist es ein Spiel, das man entweder lieben oder hassen muss. Die Entwickler ordneten es im Übrigen dem Splatterpunk zu. Also einem Genre, dass sich auszeichnet durch…

…often gory, depiction of violence and „hyperintensive horror with no limits.“ – Wikipedia

Der düstere Nimbus des Spiels verleitet noch heute einige dazu, zu behaupten, Kult sei indiziert gewesen. Das war es wohl niemals. Dennoch macht allein schon diese Behauptung das Spiel ungleich interessanter. 😉 „Auf dem Index“ klingt immer so ein wenig nach „verboten“ – tatsächlich heißt es aber nur, dass es nicht an Minderjährige verkauft werden darf. Hm … wie alt war ich damals, als wir… na egal…

Kann ein Spiel wirklich so böse sein, dass es unsere Jugend verdirbt? Nun, das kommt darauf an, wer ein Interesse daran hätte, es zu verbieten und aus welchen Gründen. Und dieser Punkt wird relativ schnell klar, wenn man sich einmal anschaut, was Thema dieses Horrorspiels ist.

Einst wurde es in Schweden entwickelt und von dort aus verbreitete es sich sehr schnell über die ganze Welt. Kult handelt von finsteren Mächten, Dämonen und einer Realität die nicht wirklich real ist, sondern nur ein Schleier vor dem eigentlichen Horror der Wirklichkeit.

Hinter der Illusion der Welt wie wir sie kennen, lauert die Wirklichkeit. Wer die Illusion durchdringt, strandet in der endlosen Stadt Metropolis, der „Mutter aller Städte“. Hier regieren Archonten, Todesengel und andere finstere Mächte.

Sie alle wurden geschaffen vom Demiurgen, einer Art Untergott, der die Welt nach seinen Vorstellungen erschaffen hat und dabei seinen eigenen Schöpfer (Gott) aus reiner Hybris vergessen hat. Theologisch ist das ein wirklich tolles Konzept, denn es erklärt das Böse in der Welt. Der Demiurge hält sich nämlich für den Größten und verhält sich dabei wie wir Menschen, wenn wir zu viel Macht bekommen. Aus psychologischer Sicht ist das auch interessant, denn auf Gott und den Demiurgen lassen sich das wahre Selbst und unser Ego projizieren. Aber ich schweife ab…

Nun ist der Demiurge aus irgendeinem Grund verschwunden und die Schöpfung zerfällt. Seine Kreaturen streiten sich um die Vorherrschaft über die Reste und um die Seelen der Menschen. Und gelegentlich zerbricht darüber die Illusion und einige Menschen blicken der nackten Realität ins Auge…

Das alles erinnert schon sehr stark an gnostische Lehren, durch die die Menschen ihren göttlichen Funken erkennen und zurück zum Licht finden müssen. Tatsächlich ist dies der Handlungsrahmen von Kult. Das erklärt vielleicht auch ein wenig, wer etwas gegen dieses Spiel haben könnte. Theologisch betrachtet ist dieser Plot nämlich ein Pulverfass.

Die Spieler sind „gefangen“ in einer Welt, wo „der Tod nur der Anfang“ ist. Kult bietet reichlich Möglichkeiten für den Spielleiter, die Illusion zerbrechen zu lassen und die Spieler in die Abgründe ihrer eigenen Seelen reisen zu lassen. Eine Dystopie vor dem Herrn – aber dennoch faszinierend. Ähnlich wie Cthulhu, scheint Kult kaum Entkommen vor dem eigenen Untergang bereitzuhalten. Was fasziniert Spieler also an diesem Setting?

Sicherlich auch die Möglichkeit, mittels Magie durch eigene Privathöllen („Purgatorien“) zu schreiten, das Böse zu ergründen, ohne es je besiegen zu können und natürlich mit der eignen Fantasie der ewigen Frage nachzugehen: Was erwartet uns nach dem Tod? Kult lässt Kreaturen der Gnosis mit höllischem Charakter zum Leben erwachen und erzeugt damit ein unvergleichliches Flair düsterer Verlorenheit. Eindeutig etwas für Liebhaber!

Seit einiger Zeit gibt es zu Kult ein Kickstarter Projekt, um das RPG wieder aufleben zu lassen. Es wurde schon einiges an Geld eingesammelt und eine Crowdfunding Kampagne gestartet. Die Entwickler scheinen es laut ihrer Facebookseite gerade zu testen. Das neue Spiel soll heißen: Kult: Divinity Lost. Das Konzept sieht schon einmal vielversprechend aus. Mal schauen, wann es das Spiel zu kaufen gibt.

Das Lederlabor kann so lange natürlich nicht warten. Daher gibt es schon jetzt einen DIN A4 Einband aus Rindsleder mit dem Kult Logo Divinity Lost. Für alle die es gar nicht abwarten können…

Viele Grüße
Steven

 

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