Nyarlathotep Ledercover für Bücher im A4 Format – Cthulhu-Mythos zum Anfassen

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Nyarlathotep Ledercover.

Nyarlathotep, das kriechende Chaos, Gott der 1000 Formen, der gesichtslose Gott, schwarzer Pharao – nur eine Auswahl der klingenden Namen für einen der Großen Alten aus dem Cthulhu-Mythos. Es wurde Zeit, ihm ein eigenes Lederprojekt zu widmen. Und sei es nur, um ihm ein Opfer zu bringen und damit zu besänftigen…

Handwerkliches

Das Ledercover besteht aus hochwertigem Rindsleder mit einer Stärke von 1.8-2.0 mm. Diese Dicke eignet sich gut für Hardcover Bücher im A4 Format (in diesem Fall mit einer maximalen Rückenstärke der Bücher von ca. 2.4 cm). Das Leder ist im Grunde etwas zu dünn, um es effektiv punzieren zu können. Der Versuch zeigt: es funktioniert dennoch. Die wandelnde Gestalt Nyarlathoteps prangt zyklopisch (ein beliebtes Wort in H. P. Lovecrafts Erzählungen) auf der Frontseite des Covers.

Damit das so gelingen konnte, wurde die Gestalt mit klarem Acryllack versiegelt. Dabei kamen ca. 2 – 3 Schichten Lack zum Einsatz. Schließlich musste der gesamte Umriss der Figur mit der eigentlichen Lederfarbe ummalt werden. Dieser Arbeitsschritt ist etwas aufwendiger und erfordert große Sorgfalt – Fehler beim Bemalen lassen sich nicht mehr rückgängig machen! Das „Elder Signauf der Rückseite wird dagegen einfach nachkoloriert, daher kann es zunächst mitsamt dem Rest der Oberfläche schwarz eingefärbt werden.

 

Nach dem Trocknen der schwarzen Farbe wird mit einem braunen „Hi-Lite Stain“ über das gesamte Cover gewischt. Das dient vor allem zwei Zwecken: 1. Die Gestalt Nyarlathoteps wird dadurch hervorgehoben, denn Reste des Stains bleiben in den Vertiefungen der Punzierarbeit haften und verleihen ihr so Kontur und Tiefe. 2. Das Leder wird gefettet und gefinisht. Es wirkt dadurch voller und eventuelle Farbunebenheiten werden ausgeglichen. Interessanterweise muss das „Hi-Lite Stain“ nicht schwarz sein. Gerade die braune Variante verleiht der Oberfläche etwas mehr Charakter.

 

Anschließend wird die Pigmentpaste gründlich mit einem sauberen Tuch fortgewischt. Allzu lange sollte sie auch nicht auf der versiegelten Fläche bleiben. Der zuvor aufgetragene klare Acryllack verhindert zwar, dass das darunter liegende Leder durch den „Hi-Liter“ gefärbt wird, doch ein wenig Farbe dringt dennoch hindurch. Dieser Effekt trägt jedoch zum Gesamtbild bei und am Ende sticht die Gestalt Nyarlathoteps sehr gut hervor.

Die Kanten des Leders wurden poliert, mit schwarzem Edge Kote versiegelt und abermals poliert. Die Innenlaschen sind mit rotem Faden engmaschig vernäht, was sehr gut zum roten Samtbezug passt. Bei diesem Modell wurde zudem auf eine Kartenlasche verzichtet und die Innenlaschen konnten dadurch etwas schmaler als bisher gewählt werden. Messingbuchecken runden das Design ab, sind jedoch kein Muss.

Fertig! Nyarlathotep kann schreiten und nur das Elder Sign auf der Rückseite hält den Besitzer des Covers vom nahenden Wahnsinn ab…

Der Cthulhu-Mythos

Ich muss es einfach gestehen: ich bin Fan der fantastischen Horrorgeschichten rund um H.P. Lovecraft, August Derleth und auch Clark Ashton Smith. Angefangen hat alles mit „fantastischen Geschichten“ in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts. Seitdem hat sich eine ganze Welt mit ganz eigentümlicher Stimmung um dieses Genre herum entwickelt, die ihre Fangemeinde mit dem festen Griff eines Äußeren Gottes gepackt hält. Den Mythos muss man spüren, dann lässt er einen nicht mehr los. Verbunden mit der Stimmung der 20er und 30er Jahre entfaltet sich in ihr eine seltsame Mischung aus Indiana Jones, Zeppelinen und Horrorgeschichten in Neu England. Eine Welt voller Mythen am Rande des Abgrunds, in der sich im Erzählstil Lovecrafts gerade der Horror des nicht Gesagten am wirkungsvollsten zeigt.

Kurz für den Unkundigen: Wer oder was ist überhaupt Cthulhu? Die deutsche Aussprache wird wohl in etwa „Kutuluh“ lauten. Doch wer weiß das schon? Zu fremdartig ist dieses Wesen. Es handelt sich bei Cthulhu um eine monströse, geflügelte Gestalt mit Tentakelgesicht, die laut den Erzählungen H. P. Lovecrafts und August Derleths vor etwa 100 Millionen Jahren auf die Erde kam. Cthulhu zählt zu den Großen Alten (engl. Old Ones oder Great Old Ones) und verfügt über enorme Macht.

H. P. Lovecraft beschreibt ihn folgendermaßen:

„A monster of vaguely anthropoid outline, but with an octopus-like head whose face was a mass of feelers, a scaly, rubbery-looking body, prodigious claws on hind and fore feet, and long, narrow wings behind.

Wesen wie Cthulhu beherrschten einst das Universum und erschufen bzw. versklavten ganze Völker, u.a. auch die Menschheit, die für sie wenig mehr als Sklaven waren. Nun ruhen diese Götter und auch Cthulhu selbst schläft in der versunkenen Stadt R’yleh (irgendwo im Pazifik) und wartet auf die Zeit seiner Rückkehr. Jedoch beeinflusst er mit seinen Träumen bereits subtil einige Menschen und man flüstert, dass sein Einfluss zu wachsen scheint. Erwacht er bald? Wehe dem, der seinem Ruf bereitwillig nachgibt…

Dieses Motiv wird in Lovecraft’s Erzählung „Cthulhu’s Ruf“ (engl. The Call of Cthulhu) durch einen bei Fans recht bekannten und mehrdeutigen Zweizeiler zum Ausdruck gebracht:

„That is not dead which can eternal lie,

And with strange æons, even death may die.

[Es ist nicht tot, was ewig liegt,

bis dass die Zeit den Tod besiegt.]

Cthulhu ist zur Ikone eines ganzen Genres geworden. Geprägt wird es von einer düsteren, hoffnungslosen Stimmung, in der die Menschheit im Schleier der Ignoranz ihr Dasein fristet. Und falls eines Tages dieser Schleier (vielleicht versehentlich) gelüftet wird und das Verstehen um sich greift, so wartet bereits der Wahnsinn auf denjenigen, der diese Erkenntnis genießt. Es gibt kein Entkommen, die Menschen stehen am Rande des Verderbens und merken es nicht…

Zahlreiche Erzählungen und Kurzgeschichten und mittlerweile auch die 7. (!) Edition der deutschen Rollenspielausgabe bilden ein dichtes Universum mit einzigartiger Stimmung. Einfach wundervoll!

Nyarlathotep

Eingebettet in diesen Mythos ist auch Nyarlathotep – er wird ebenfalls zu den Großen Alten gezählt. Er ist ein böser Gott mit der Fähigkeit, seine Gestalt nach Belieben zu verändern. Als Sohn von Azathoth (englischer Beiname: The Blind Idiot God), dem ignoranten Schöpfer von Allem, ist er eines der mächtigsten Wesen überhaupt.

Im Gegensatz zu Cthulhu dient Nyarlathotep den anderen Äußeren Göttern bereitwillig und wandelt gelegentlich auf Erden. Er verbreitet mit Vorliebe Wahnsinn, Horror und Leid; scheint sich daran viel ergötzen zu können, als z.B. an Zerstörung und Vernichtung. Das unterscheidet ihn stark von den anderen (Äußeren) Göttern. In diesem Sinne setzt er auch gerne auf Manipulation und lässt menschliche Diener und Kulte für sich arbeiten. Er vermag dafür auch menschliche Gestalt anzunehmen, dann wohl vorzugsweise als ägyptischer Pharao oder als großer, gut gelaunter schlanker Mann.

Unerkannt unter Menschen zu wandeln und Chaos zu verbreiten macht Nyarlathotep sehr gefährlich. Niemand kennt seine wirkliche Agenda, aber es ist gut möglich, dass er die Schachfiguren in seinem Spiel so lange hin- und herschiebt, bis er dadurch schlussendlich die Welt zerstört.

Dennoch gibt es viele Kulte, die Nyarlathotep anbeten und unterstützen. Das hat einen Grund: sie werden von ihrem Gott nicht allein gelassen! Im Gegensatz zu den anderen Äußeren Göttern beschenkt er seine Kultisten mit Gaben, offenbart sich ihnen und kümmert sich um ihre Wünsche und Angelegenheiten, belohnt sie für ihre Treue. Gewissermaßen ist er ein Botschafter für die noch schlafenden Götter und wird sicherlich auch in ihrem Sinne die Menschheit auf einen Weg führen, die sie ins Verderben stürzen wird.

There was the immemorial figure of the deputy or messenger of hidden and terrible powers – the „Black Man“ of the witch cult, and the „Nyarlathotep“ of the Necronomicon.  —H. P. Lovecraft, The Dreams in the Witch House

Dieses Lederprojekt ist dem größten Schachspieler in Lovecrafts Universums gewidmet. Möge er niemals jemanden von uns verführen… 😉

Viele Grüße
Steven

 

 

4 Antworten

  1. Der Läuterer

    Moin, Moin,

    da sieht ja in der Tat wirklich beeindruckend gut aus und es hat auf mich die natürliche Wirkung wie das Licht auf eine Motte. Daher zwei naheliegende Fragen:
    Was kostet den Geek so ein Ledereinband?
    Und ziehst Du in Betracht, auch andere Motive anzubieten?

    Beste Grüsse

    • Lederlaborant

      Hallo,
      herzlichen Dank für das Lob! Mythos-Kreaturen üben auch auf mich einen beängstigenden Sog aus! Ich gedenke daher noch einige mehr solcher Motive zu schaffen – gerne auch in Abstimmung mit dem Geek! 😉
      Generell können die Mythos-Einbände sehr stark individualisiert werden (Initialen, andere Farben, mehr oder andere Motive usw.). Preislich liegen sie etwa um 120 Euro plus Versand – der genaue Preis richtet sich natürlich nach dem Aufwand. Bei Wünschen aber gerne an kontakt@lederlabor.de wenden. 😉
      Viele Grüße
      Lederlaborant

  2. Tolles Teil! Ich habe eine vermessene Frage – was für ein Schachspiel ist da zu sehen als Deko? 🙂

    • Lederlaborant

      Hallo,
      das Schachspiel ist ein (uraltes) Urlaubsmitbringsel aus Spanien. Die Figuren sind aus Gusseisen und das Spielbrett ist – natürlich – mit Leder bezogen. Leider sind einige Figuren schon etwas beschädigt und die Box in Mitleidenschaft gezogen. Ich mag es dennoch sehr sehr gerne 🙂
      Grüße
      Lederlaborant

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