Lederholster für Airsoftpistole

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Lederholster für Airsoftpistole.

Wer sich für das Arbeiten mit Leder interessiert, der kennt das: Aus Leder lassen sich sehr gut Holster für Pistolen usw. fertigen. Besonders auf YouTube finden sich zahlreiche Beispiele, Tutorials und wirklich tolle Werke. Früher oder später wird einem das also begegnen. Ich lasse es mir also nicht nehmen, ebenfalls ein Lederholster anzufertigen – eines von vielen, die da noch kommen werden…

Pistolenholster, wie ich sie zunächst einmal anfertigen möchte, benötigen eine Pistolenvorlage. Das Holster wird nämlich um die Pistole herum nassgeformt. Es gibt natürlich auch 0815 Holster, die nicht der Waffe angepasst werden. Doch finde ich es einfach schöner und personalisierter, wenn das Holster individuell angepasst wird. Einheitsgrößen scheinen sich insbesondere bei Revolvern oder im Westernbereich zu finden. Aber das wäre ja zu einfach. Ich habe mich daher für ein Modell entschieden, das nassgeformt werden muss.

Dann taucht gleich das nächste Problem auf: woher kommt die Waffenvorlage? Man kann sich ja nicht einfach im nächsten Laden eine Pistole kaufen, nur um ein Lederholster anzufertigen. Das gibt bloß Ärger und wäre viel zu teuer – mal ganz abgesehen von irgendwelchen rechtlichen Fragen. Ich habe daher zunächst an Dummy-Waffen oder Blueguns gedacht. Diese werden z.B. beim Hundetraining verwendet. Doch die waren mir mit 80,00 Euro und mehr viel zu teuer.

Viel einfacher ist es, eine Airsoftpistole (Spielzeug) für ca. 10,00 Euro zu kaufen. Die dürfen selbst Kinder benutzen und die Grundform sollte auch bei der echten Waffe passen. Außerdem lässt sich so noch Geld sparen und man könnte sich stattdessen eine ganze Sammlung an Vorlagen zusammenstellen.

Nach einer kurzen Suche habe ich mich schließlich für das Modell Beretta 92 FS entschieden. Die sagt mir rein optisch zu. Mal schauen, was im Laufe der Zeit vielleicht noch hinzukommt. Klar ist auch, dass für 10,00 Euro keine gute Airsoft Qualität zu bekommen ist, aber darum geht es hier ja auch nicht.

Grundform des Lederholsters

Zunächst habe ich ein Lederstück ausgeschnitten, das in etwa die Größe des finalen Stückes hat. Nur das Oberteil wird nassgeformt. Es gibt Holster oder Herstellungstechniken, bei denen beide Hälften sofort zusammengenäht werden und die Waffe anschließend hineingesteckt und abgeformt wird. Das hat den Nachteil, dass das Holster zu beiden Seiten ausbeult. Wegen des Tragekomforts war das etwas, was ich vermeiden wollte. Wird die Waffe liegend mit dem oberen Lederstück abgeformt, wird das „Ausbeulen nach Innen“ weitgehend vermieden. Durch die beiden Flügel zu beiden Seiten wird zudem erreicht, dass sich das Lederholster der Hüftform anpassen kann.

Die Grundform habe ich ermittelt, in dem ich die Pistole im Umriss und der Länge nach auf ein Stück Papier gemalt habe. Dann konnte ich mit etwas Abstand in Höhe der Pistole die Grundform ausschneiden und auf das Leder übertragen. Wenn hierbei noch etwas übersteht, so kann das gut hinterher korrigiert werden. Vor dem Zusammenbau sollten allerdings die oberen Ränder fertig gestellt werden, denn da kommt man schlecht heran, wenn beide Teile miteinander verbunden werden.

Nassformen

Das Oberteil des Lederholsters wurde mit lauwarmem Wasser gewässert und anschließend an die Airsoft Pistole geformt. Die Konturen habe ich mit einem Falzbein oder Modellierwerkzeugen herausgearbeitet. Dabei habe ich darauf geachtet, dass die Mündung der Pistole so gerade eben noch im Holster liegt. Ein wichtiger Hinweis für alle die bei diesem Schritt mit Metallwaffen arbeiten: Um Rostbefall zu vermeiden, einfach die Waffe mit Ballistol oder einem anderen Waffenöl einsprühen und ggfs. zusätzlich in Klarsichtfolie einwickeln.

Vernähen

Durch das häufige Rein- und Rausziehen der Pistole kann es am oberen Rand zu Beschädigungen kommen. Ich wollte auch verhindern, dass dieser Teil umknickt oder andere unschöne Dinge macht. Auch wenn das Holster sehr stabil wirkt, so kann häufiges Benutzen hier das Material beschädigen. Ich habe daher ein etwas dunkler gefärbtes Lederstück aufgenäht, um diesen Bereich zu verstärken. Natürlich kann auch einfach dickeres Leder verwendet werden (so zwischen 1,8 und 4 mm) aber das hatte ich gerade nicht.

Nachdem die obere Seite geformt, getrocknet und gefärbt ist, wird sie auf das ebenfalls gefärbte Gegenstück geklebt und hier mit weißem Faden per Hand vernäht.

Gürtellöcher und Finish

Anschließend werden die Gürtellöcher per (rundem) Locheisen und mit dem Messer ausgeschnitten. Dieser Teil der Arbeit hat leider noch das Potential, die ganze Mühe zu zerstören. Gürtellöcher per Messer aus dem Holster auszuschneiden ist schwierig. Rutscht man ab oder schneidet nicht gerade, ist die Arbeit dahin. Für diesen Arbeitsschritt gibt es spezielle (leider sehr teure) Locheisen, die ich leider noch nicht habe. Daher ist bei diesem Arbeitsschritt besondere Aufmerksamkeit gefragt. Die Ränder werden schließlich noch gefinished und mit braunem Edge Kote versehen.

Zum Schluss werden überschüssige Kanten usw. abgerundet, glatt-„gefinished“ und mit Edge Kote versiegelt. Das gesamte Lederholster wird mit Carnauba Creme und einem Acrylfinish poliert.
Mir gefällt besonders gut, dass die Farbe in den Stresszonen des nassgeformten Teils heller ist. Dadurch kommen die Konturen gut zum Vorschein. Diesen Effekt habe ich dadurch verstärkt, dass ich an den Rändern und in den Vertiefungen mit schwarzer Airbrushfarbe gearbeitet habe.

Viele Grüße

Steven

P.S. In meiner Ausprobierwut habe ich erst gemerkt, dass das Lederholster für Linkshänder ist, als es fertig war. Die Pistole hätte anders herum sein müssen. Naja, beim nächsten Mal… 🙂

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