Lederpflegemittel selbst herstellen

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Lederpflegemittel (Balsam) selbst herstellen.

Heute zeige ich, wie man mit einfachen Mitteln und etwas Geschick in Kochen oder Chemie ein Lederpflegemittel (Balsam) selbst herstellen kann. Ich sage es gleich: Diese „Hausmittel“ sind nicht unumstritten. Heutige Spezialleder bedürfen oft einer besonderen Pflege, da sie unterschiedliche Eigenschaften haben. Selbst hergestellte Lederpflegemittel sind daher nur für Leder geeignet, deren Lebensdauer oder Verwendung nicht von den Nachteilen eines selbst hergestellten Lederpflegemittels eingeschränkt werden. Wer es genau wissen möchte, kann sich z.B. hier darüber informieren.

Das soll uns aber nicht davon abhalten, einen Versuch in Richtung Lederpflegemittel zu unternehmen. Wenn unsere Hände austrocknen, greifen wir wie selbstverständlich zu einer Handcreme. Sollte dasselbe nicht auch für Leder gelten? Richtig! Mit einem geeigneten Lederpflegemittel können wir nicht nur alten Lederprodukten neues „Leben“ einhauchen, sondern auch ein tolles Finish auf neu hergestellte Produkte auftragen. Und das ohne Chemie, nur mit natürlichen Produkten.

Im englischsprachigen Raum wird bei Lederpflegemitteln gerne von einem „Conditioner“ gesprochen. Das ist nicht ganz korrekt, hat sich aber irgendwie eingeschlichen. Was also ist ein „Conditioner“? Es handelt sich dabei um ein Produkt zur Lederpflege, das wieder neuen Glanz, Stabilität und Haltbarkeit verleihen soll. Eigentlich bedeutet „konditionieren“ die Vorbereitung eines Werkstoffes auf seine Behandlung. Im Fall von Leder ist damit üblicherweise das Befeuchten gemeint.

Wie unsere Haut, trocknet auch Leder mit der Zeit aus und wird spröde. Es verliert dabei z.B. an Glanz und wird evtl. matt oder rissig. Um dem entgegenzuwirken, kann es konditioniert werden, in dem es z.B. über Tage in Kammern mit hoher Luftfeuchtigkeit gelagert wird. Anschließend kann es wieder gefettet werden. Trockenes Leder kann kein Fett aufnehmen.

Reinigungs- oder Pflegemittel

Ein Lederpflegemittel enthält aber meist nur Fette und keine wässrigen Phasen, wie z.B. eine Emulsion. Es ist daher in unserem Falle korrekter, von einem Balsam zu sprechen. Dieser eignet sich insbesondere für die Behandlung von Glatt- und Außenledern und dient dem Schutz vor Wasser oder Schmutz. So ganz nebenbei verleiht er natürlich auch Glanz und Duft.

Manche Fette wie z.B. Lanolin (Wollfett) haben wasserrückhaltende Eigenschaften und halten das Leder insgesamt länger feucht. Es macht also nur Sinn, ein Lederstück mit fetthaltigen Lederpflegemitteln zu behandeln, wenn es über ausreichend Feuchtigkeit verfügt.

Natürlich hängen Alterungserscheinungen auch immer von der Art des Leders ab. Manche Leder werden mit der Zeit speckig (Büffel), andere nehmen nur wenig Pflegemittel auf (z.B. versiegelte Leder). Wichtig ist, dass man sich vorher überlegt, welches Pflegemittel zum jeweiligen Produkt passt. Man kann Leder schließlich auch überfetten… Hier macht es ggfs. mehr Sinn, auf ein kommerzielles Produkt auszuweichen.

Es gibt zahlreiche Lederpflegemittel auf dem Markt und die Zusammensetzungen variieren erheblich. Meistens ist viel Chemie im Spiel. Das muss nicht verkehrt sein, denn oft erzielen chemische Produkte genau die qualitative Wirkung, die der Kunde sich wünscht. Für viele Menschen ist dies aus unterschiedlichen Gründen sowohl weltanschaulich als auch gesundheitlich nicht tragbar. Darum machen wir heute ein Lederpflegemittel aus natürlichen Substanzen – mit allen Nachteilen.

Ganz generell ist es sinnvoll, zwischen Lederreinigern und Lederpflegemitteln zu unterscheiden. Um ein Pflegemittel wirkungsvoll anwenden zu können, empfiehlt es sich, vorher das Leder mit einem Reiniger zu säubern und ggfs. zu entfetten. Anschließend kann es mit einem Pflegemittel wieder aufgebaut werden. Lederreinigung ist ein Thema für sich, denn nahezu für jede mögliche Art von Verschmutzung lässt sich ein passendes Reinigungsmittel finden. An dieser Stelle gehen wir einfach mal davon aus, dass unser Leder sauber ist bzw. es direkt nach der Herstellung mit dem Pflegemittel versehen wird.

Ob ein Mittel entfettend wirkt, kann man z.B. daran erkennen, ob es Lösungsmittel wie Aceton, Benzine oder Alkohole enthält. Diese Chemikalien lösen Fette und/oder wirken austrocknend auf Leder. In geringen Mengen enthalten aber auch Pflegemittel z.B. Alkohole oder gar Ammoniak, um das Leder oberflächlich zu reinigen und zu entsäuern. Dies dient vor allem der Konservierung des Leders.

Einige Gerbschritte können nämlich dazu führen, dass sich freie Schwefelsäure bildet (vor allem bei alten Ledern). Diese kann das Leder langfristig schädigen und z.B. brüchig werden lassen. Ammoniak kann helfen, freie Säure zu neutralisieren – obwohl der technische Vorgang der Entsäuerung bzw. die Pufferung von Leder durchaus schwieriger durchzuführen ist, als das einfache Abreiben mit ammoniakhaltigen Lösungen. Eventuell austrocknende Effekte werden dann von den enthaltenen Ölen des Reinigungs- bzw. Pflegemittels kompensiert.

Einkaufsliste für den Versuch

Ich möchte es an dieser Stelle relativ simpel, d.h. gesund, halten und mich auf natürliche Substanzen beschränken. Die Einkaufsliste für dieses kleine Projekt ist daher sehr kurz und jeder, der schon einmal Seife gekocht hat, wird sich hier sehr leicht zurechtfinden. Aber auch für alle anderen ist es relativ einfach, die folgenden Sachen im Internet oder in der Apotheke zu kaufen.

Hier die Zutatenliste für das Lederpflegemittel:

  1. Ein Teil reines Bienenwachs (fest, Pellets usw.)
  2. Ein Teil reine Kakaobutter (fest, Pellets usw.)
  3. Zwei Teile Rizinusöl (flüssig)

Außerdem wird benötigt:

  1. Ein kleiner Topf für das Wasserbad
  2. Ein hitzebeständiger Becher
  3. Ein Stab zum Umrühren
  4. Ein verschließbares Gefäß zum Abfüllen des Pflegemittels

Das wars. Die Mengenangaben kann jeder nun nach Bedarf anpassen. Bei den Fetten kann natürlich variiert werden und statt Kakaobutter kann z.B. Kokosfett verwendet werden. Statt oder zusätzlich zum Rizinusöl bietet sich z.B. auch Mandelöl an. Das ist etwas flüssiger als Rizinusöl und hat neben seinem tollen Duft sehr schöne Pflegeeigenschaften.

Wichtig ist, dass der Anteil der flüssigen Fette die Festigkeit des finalen Pflegeproduktes bestimmt. Wenn man lieber etwas Cremigeres mag, nimmt man einfach drei oder noch mehr Teile der flüssigen Öle. Hierbei bitte unbedingt darauf achten, keine Mineralöle usw. zu verwenden. Diese können gesundheitsschädlich sein. Leider liest man im Internet sehr oft die Empfehlung, Mineralöle für ein Pflegemittel zu verwenden. Ohne zu wissen, was diese enthalten, ist das Risiko sehr hoch, sich etwas Gefährliches in das Lederpflegemittel zu mischen, das eventuell Kontakt zur Haut haben wird. Besser ist es, pflanzliche Öle zu verwenden, mit denen man auch bedenkenlos seine Wurst braten könnte. Alles andere überlassen wir der Industrie. Sicher ist sicher!

Sicherheit geht vor

Noch ein Hinweis zum Nachmachen: Wenn du diesen Versuch selbst durchführen möchtest, versichere dich, dass du mit den Sachen umgehen kannst und mit dem Aufbau vertraut bist. Ich habe eine chemische Grundausbildung und bin mit dem Umgang von Chemikalien vertraut. Die verwendeten Fette können sehr heiß werden oder sich anders verhalten, als du das z.B. von kochendem Wasser gewohnt bist. Informiere dich darum vorher und überlege dir genau, wie du deine Arbeitsschritte durchführen möchtest.

Zwar sind alle verwendeten Zutaten natürlichen Ursprungs aber Menschen können die seltsamsten Allergien haben. Vergewissere dich ebenfalls, dass du nicht auf einige der Zutaten allergisch reagierst. Du kannst beim Arbeiten Handschuhe tragen aber das nützt dir wenig, wenn du die später behandelte Lederoberfläche auf der Haut trägst.

Sei einfach vorsichtig. 😉

Herstellung des Pflegemittels

1) Besorge dir die Zutaten und wiege sie gemäß deinen Wünschen ab. Einen Teil Bienenwachs, dazu einen Teil Kakaobutter. Beides gibst du in einen Behälter, der sich im Wasserbad erhitzen lässt. Ich habe hier einen einfachen Plastikbecher verwendet. Gieße zwei Teile Rizinusöl hinzu.

 

2) Erhitze nun in einem Topf Wasser aber bringe es nicht zum Kochen und hänge den Becher mit den Fetten in das warme Wasser. Bienenwachs schmilzt bei ca. 62-65°C, Kakaobutter bei etwa 30-38°C. Unter leichtem Rühren mit einem Stab lässt du die Fette schmelzen, bis keine Stückchen mehr erkennbar sind.

3) Nimm den Becher aus dem Wasserbad und lasse ihn leicht abkühlen. Schütte die goldgelbe Fettmischung in ein verschließbares Gefäß und lasse abkühlen.

4)  Fertig.

Nun zum Nachteil dieser Methode. Die verwendeten Fette enthalten einen hohen Anteil ungesättigter Fettsäuren, was sie anfällig gegenüber Oxidation macht. Das gilt so gut wie für alle pflanzlichen Fette. Sie werden mit der Zeit (an der Luft) ranzig. Das bedeutet, unser Lederpflegemittel ist nur bedingt haltbar.

Meine Recherche im Internet hat gezeigt, dass einige behaupten, in das Leder eingezogener Balsam werde nicht ranzig. Andere Quellen sagen dagegen, dass im Leder ranzig werdende Fette dem Leder sogar schaden können. Beides mag stimmen. Ich habe es nicht ausprobiert. Du kannst ja einen Langzeitversuch machen und diese Eigenschaften testen. Beachte dabei vor allem die Veränderung des Geruchs. Ranziger Balsam riecht…nun ja… nach ranzigem Fett eben. 🙂

Ich empfehle darum, das selbst hergestellte Lederpflegemittel nur in kleinen Mengen und nach Bedarf zu machen. Es sollte wegen der Oxidationsanfälligkeit in jedem Fall in einem verschließbaren Gefäß aufbewahrt werden. Dann ärgert man sich nicht so, wenn es einmal ranzig wird.

Wer es sich zutraut, kann für eine verlängerte Haltbarkeit noch einen Tropfen Tocopherol (Vitamin E, auch bekannt als E 306) als Antioxidans hinzufügen. 😉

Ausprobieren und Testen des selbst hergestellten Lederpflegemittels

Teste das selbst hergestellte Lederpflegemittel immer erst an einem kleinen Teststück oder in einem unauffälligen Bereich deines Werkstückes. So ist dann auch gut erkennbar, ob der Balsam unangenehme oder farbveränderte Eigenschaften hat.

Hier mein Teststück.

Die rechte Seite des Teststücks ist mit dem selbst hergestellten Lederpflegemittel imprägniert, die linke Seite ist unbehandelt. Auf beide Seiten habe ich einen Probetropfen (Wasser) aufgetragen, um zu testen, wie gut die wasserabweisende Wirkung des Balsams ist. Man erkennt bereits nach dem Auftragen, dass die Wassertropfen auf Grund der Eigenschaften der jeweiligen Seite ein anderes „Verhalten“ zeigen. Die Oberflächenspannung sorgt dafür, dass der rechte Tropfen „runder“ wirkt – er „mag“ nicht so gerne mit der behandelten Oberfläche in Kontakt sein.

Dann habe ich ca. 10 Minuten gewartet. Nach dieser kurzen Zeit ist schon erkennbar, dass der Wassertropfen auf der linken Seite beginnt, ins Leder einzuziehen. Rechts tut sich nichts. Der Erfolg des Pflegemittels wird klar, wenn die Tropfen abgewischt werden. Links bleibt ein Wasserfleck, rechts ist nichts zu sehen. Experiment geglückt, das Lederpflegemittel funktioniert – zumindest zum Imprägnieren. 😉

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Viele Grüße

Steven

 

4 Responses

  1. Tina

    werd ich angepasst gleich ausprobieren um meine nasse Lederjacke (Wasserwerfer G20) zu pflegen.
    Danke!

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